AG Digitale Pathologie

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Die AG Digitale Pathologie & IT wurde 1976 durch Prof. Simon als „Abteilung für Automatisierte Mikroskopbildanalyse“ (AMBA) ins Leben gerufen. Zu dieser Forschungsabteilung gehörte eine Gruppe Naturwissenschaftler und eine histochemische Abteilung, um Färbungen zu entwickeln, mit deren Hilfe die zu vermessenden histologischen Strukturen angefärbt werden können. Mit dem EPR 1100 besaß sie einen der ersten Prozessrechner in der Charité. Seit dieser Zeit werden Algorithmen und Verfahren zur Bildaufnahme, Bildübertragung, Bildanalyse und Quantifi zierung von histologischen Schnitten entwickelt. Basierend auf den Analyseergebnissen wurden Gradingsysteme für maligne Tumoren objektiviert und die Auswirkungen von Wirkstoffen quantifi ziert. Es entstand die erste speziell für die medizinische Bildverarbeitung entwickelte Programmiersprache LAMBA.

Mit dem Beginn der Amtszeit von Prof. Dietel im Jahr 1994 wechselte der Fokus hin zur Entwicklung von Telepathologiesystemen. So entstanden das weltweite erste über das Internet fernsteuerbare Mikroskop „Telemic“ und das erste international für die UICC betriebene „Telepathology Consultation Center“ (UICC-TPCC). Gemeinsam mit Leica wurde das Telepathologiesystem TPS 1 entwickelt, welches in ganz Europa und in Asien zum Einsatz kam. Es erlaubte via Internet oder 4xISDN die Verbindung zweier Telepathologiesysteme mit Livemikroskopie, Livemakroskopie, Telekonferenz und Verwaltung der gesamten Fallinformationen in einer zwischen den Partnern gespiegelten Datenbank.

Aus der AG heraus wurde 2006 das Telemedizinzentrum der Charité gegründet. Innerhalb von ca. 10 Jahren wurden Drittmittel im Umfang von ca. 8 Mio. Euro eingeworben und ein funktionierendes Centrum aufgebaut. Im Projekt SmartSenior (Gesamtvolumen 40 Mio. Euro) wurde ein telemedizinischer Notfallassistent für Autos entwickelt, der im Falle eines Herzinfarktes per Funk einen Alarm absetzt und das Auto selbständig an den Straßenrand fährt. Partner in diesem Projekt waren BMW, getemed, GHC , Siemens und die Deutsche Telekom.

Parallel zum Telemedizinzentrum entwickelte sich die Virtuelle Mikroskopie zum neuen Kernthema der AG. Eine Reihe von virtuellen Mikroskopen entstanden. Verfahren zur Registrierung verschiedener Färbungen, zur Analyse von Gewebestrukturen und zum „Content Based Image Retrieval“ stehen heute im Mittelpunkt der Entwicklung. Eingesetzt werden diese Algorithmen sowohl in der Pathologie als auch im Umfeld des Biobanking. Die Biobank der Charité war Deutschland weit die erste Biobank, die virtuelle Schnitte (vollständig digitalisierte histologische Präparate) für alle Präparate anbietet.